Werde Zeltlagerpat*in!

Liebe Genoss*in, liebe*r Freund*in,

Wie jedes Jahr fahren wir Nürnberger Falken auf Sommerzeltlager und gründen eine sozialistische Kinder- und Jugendrepublik. Dieses Jahr gehts an den Attersee in Österreich.

Wir möchten es Allen ermöglichen an unserem Zeltlager am Attersee unter dem Motto „Komm mit ins Edelweißpirat*innen-Lager!“ teilzunehmen, egal welchen sozialen Hintergrund sie haben. Wenn wir unsere Kalkulation rein auf staatliche Zuschüsse und Teilnehmendenbeiträge aufbauen, sind die Gebühren für viele Eltern, Jugendliche und auch Helfende nicht aufbringbar. Darum sind wir auf Spenden angewiesen, die dieses Loch füllen.

Wir freuen uns, wenn du die Nürnberger Falken und insbesondere unsere Teilnehmer*innen unterstützen kannst, indem du selbst Zeltlagerpat*in wirst, andere Pat*innen wirbst oder unser Anliegen an deine Kontakte verbreitest.

Wir freuen uns über alle Beträge. Ob mehr oder weniger – jede Spende ist uns wichtig. Wenn du mit einem Betrag unser Zeltlager unterstützt erhältst du natürlich auch eine Spendenquittung.

Weitere Informationen findest auf www.falken-nuernberg.de

Lieben Dank und Freundschaft!

Deine Falken Nürnberg

Betreff: Spende Zeltlager 2020
Kontodaten: SJD-Die Falken Nürnberg
Sparkasse Nürnberg
IBAN: DE10 7605 0101 0001 0565 72
BIC: SSKNDE77XXX

 

Kommt zum Veit-Stoß-Platz. Gegen Polizeigewalt und Rassismus.

#Nicht auf unserem Rücken – Coronakrise aus Kindersicht

Die aktuellen Einschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie werden auf dem Rücken vieler (https://www.falken-nuernberg.de/?p=3046) ausgetragen. Auch auf dem Rücken von Kindern und Jugendlichen. In den viel berichteten „Öffnungsdiskussionsorgien“ sind Vertreter und (weniger) Vertreterinnen verschiedenster Bereiche dabei. Die Rechte und Meinungen von Kindern sind dabei nur äußerst selten Thema. Auch die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendmedizin warnte, dass „Kinder und Jugendliche in den bisherigen Entscheidungsprozessen nicht als Personen mit ebenbürtigen Rechten gesehen [wurden], sondern als potentielle Virusträger.“ Kinder werden als Virenschleudern und Superspreader bezeichnet (z.B. https://web.de/magazine/news/coronavirus/virenschleuder-superspreader-rolle-kinder-coronavirus- pandemie-34652354) sollen inzwischen manchmal wie Hunde vorm Supermarkt warten (https://www.focus.de/familie/eltern/coronavirus-kurzer-schock-im-supermarkt-ihre-kinder- muessen-beim-einkaufen-bitte-draussen-bleiben_id_11822291.html) und werden in den aktuellen Beschlüssen zu (sicherlich notwendigen!) Einschränkungen nur insofern mitgedacht, wie sie Hindernis für die Arbeitskraft der Eltern sind. Alle sozialen Räume in denen Kindern lernen, sich entwickeln, Bindungen eingehen, sich entspannen und spielerisch mit Erlebtem und dazugehörigen Emotionen umgehen können sind ihnen momentan nicht zugänglich. Bezugspersonen und Strukturen brechen weg, die Kindern sonst vielleicht helfen mit unsicheren und beängstigenden Situationen, wie wir gerade eine haben, fertig zu werden. Auch die für psychische und physische Gesundheit notwendige Bewegung, die viele Kinder sowieso zu wenig haben, fällt durch Schließung von Spielplätzen und die strikten Ausgangsbeschränkungen vielfach weg. Kinder können nicht ohne weiteres alleine Joggen gehen, sich alleine mit einer weiteren Person treffen, haben keine*n (Ehe-)Partner*In zum Treffen. Die Ausnahmen der Beschränkungen sind für Erwachsene formuliert.

Auf all diesen Ebenen verschärfen sich soziale Ungerechtigkeiten. Eltern mit weniger Geld haben natürlich mehr Angst vor Bußgeldern und sind nochmal angespannter in der aktuellen Situation. Die Angst vorm Verlust des Arbeitsplatzes, die häufig beengten Wohnräume und weniger Möglichkeiten für Förderung und Beschäftigung der Kinder kommen dazu und bieten in Familien ganz schön viel Zündstoff für Eskalation. Kindern in solchen Situationen fehlen gleichaltrige und auch erwachsene Bezugspersonen wie Lehrer*Innen, Horterzieher*Innen oder Gruppenhelfer*Innen besonders. Ohne eigenes Zimmer, ohne Computer und ohne Eltern, die unterstützen können lernt es sich zu Hause auch viel schwieriger und Bildungsunterschiede vergrößern sich und werden zementiert.

In der aktuellen Krise geraten Kinder – gemeinsam mit vielen anderen Gruppen – besonders aus dem Blick. Wir haben daher – auch als ein Weg, um mit der aktuellen schwierigen Situation umzugehen – eine Telefonumfrage gestartet und Kinder in unserem Bekanntenkreis gefragt, wie es ihnen eigentlich so geht und was sie von der aktuellen Situation halten. Herausgekommen ist ein Brief:

Lieber Herr Söder,

Sie reden immer davon, dass wir uns Zeit lassen müssen, dass wir die Zeit auch haben und die Beschränkungen verlängern können. Aber wir Kinder werden gar nicht gefragt, wie es uns damit geht. Wir wissen, dass wir vorsichtig sein müssen und überlegen müssen, wie das Corona-Virus sich weniger verbreitet, aber zur Zeit geht es vielen Kindern gar nicht gut. Damit auch die Kinder selbst mal was dazu sagen können, haben wir eine Telefonumfrage unter Freundinnen, Freunden und Bekannten gestartet. Alle Kinder fanden an der Situation gerade gar nichts gut! Vor allem macht es alle traurig, dass sie niemanden außer der Familie sehen können. Keine Freundinnen und Freunde, keine Lehrer*Innen und auch keine Horterzieher*Innen. Den ganzen Tag niemanden außer der Familie zu sehen nervt und es gibt viel Streit. Manche habe noch Glück und können zumindest raus in den Garten, aber manche haben auch nur eine kleine Wohnung ohne Balkon. Eine Freundin wohnt zu fünft in einer 3-Zimmer-Wohnung mit kleinen Zimmern. Sie hat kein eigenes Zimmer, wo sie die Tür zumachen kann, wenn jemand sie nervt. Deswegen haben sie einmal draußen ein Picknick gemacht, aber dann wurden sie von der Polizei nach Hause geschickt, weil das verboten war. Das verstehen wir nicht – sie haben doch Abstand zu anderen gehalten! Jetzt darf man zwar wieder zu zweit raus, aber meine Freundin traut sich nicht mehr wirklich und hat Angst, Ärger zu kriegen und Bußgeld zahlen zu müssen. Wenn ich mit ihr telefoniere redet sie auch noch weniger als sonst schon. Eine andere Freundin darf gar nicht mehr raus, weil sie auf ihre kleine Schwester aufpassen muss, weil ihre Eltern arbeiten müssen. In der Notbetreuung im Hort, wo ich jetzt hingehe, wurden wir bei einem Ausflug auch schon von der Polizei kontrolliert, aber unser Horterzieher hatte einen Zettel, dass wir das dürfen.

Viele vermissen auch ihre Lehrerinnen und Lehrer. Es ist zwar gut, nicht so früh aufstehen zu müssen, wie wenn Schule ist, aber zu Hause ist es viel schwerer, sich auf die Aufgaben zu konzentrieren. Und ich und auch andere Kinder vermissen den Pausenhof. Für Erwachsene ist es vielleicht gut, nur daheim zu sitzen und zu lesen oder zu stricken, aber wir finden das langweilig und kriegen davon schlechte Laune. Und sich mit einer anderen Person zu zweit zu treffen ist für Kinder auf meistens nicht möglich. Und sich per Skype mit anderen zu unterhalten ist nicht richtig sich sehen.
Viele Erwachsene, z.B. die Horterzieher*Innen, schicken schon Bastelpakete, damit es uns besser geht und ich versuche auch, Fotos und Nachrichten an Freund*Innen zu schicken, die noch weniger raus können als ich. Aber trotzdem geht es allen Kindern, mit denen wir telefoniert haben, nicht gut. Bitte sprechen Sie doch in Zukunft auch mit uns und sehen Sie die Welt nicht immer nur aus der Erwachsenen-Sicht.

Kurzer Bericht vom 1.Mai 2020

Natürlich konnte der 1.Mai 2020 nicht so stattfinden wie sonst. Dass er aber ausfallen muss oder dass wir deswegen nicht demonstrieren können – das ist Quatsch und das haben wir heute bewiesen.

 

Als Teil des revolutionären 1.Mai – Bündnisses waren wir heute zunächst auf einer begrenzten Kundgebung am Petra-Kelly-Platz/Bauernplatz vertreten mit der Forderung, dass wir prekären Beschäftigungsverhältnissen endlich den Garaus machen müssen und mit dem Hinweis, dass vom Klatschen kein Mensch Miete bezahlen kann.

 

Im Anschluss haben wir uns am Spaziergang zum 1.Mai beteiligt. Wir sind also mit etwa 900 Genoss*innen durch die Stadt gezogen – alle mit rotem Mundschutz und stets darauf bedacht, dass die Sicherheitsabstände eingehalten und die Schutzmaßnahmen gegen Corona ernst genommen werden.

 

Dabei haben wir Lieder unserer Klasse und Bewegung gesungen: Einheitsfrontlied, Arbeiter*innen von Wien, Brot und Rosen und Bella Ciao. Wir haben „internationale Solidarität“ eingefordert und unser Bekenntnis dazu ausgedrückt. Wir haben deutlich gemacht, dass die Reichen die Krise zahlen sollen. Die Krise darf #nichtaufunseremruecken abgewälzt werden.

Ein großes Danke an all die entschlossenen und mutigen und gut vorbereiteten Genoss*innen heute!

 

Lest unseren Aufruf zum 1.Mai, in dem unsere Forderungen stehen, die wir heute trotz Demonstrationsverbot mit Kreativität und Flexibilität auf die Straße getragen haben: http://www.falken-nuernberg.de/?p=3046

 

Freundschaft!

Falken Nürnberg, 1.Mai 2020

 

 

#nichtaufunseremrücken – unser Arbeiter*innenkampftag

 

Die Corona-Krise und der behördliche Umgang mit ihr trifft nicht alle gleich – er trifft die Menschen so unterschiedlich, wie die Klassen in dieser Gesellschaft unterschiedlich sind (siehe http://www.falken-nuernberg.de/?p=2643).

 

Wir sind Arbeiter*innen, abhängig Beschäftigte, Frauen, Schüler*innen, Studierende, Kinder, Jugendliche, kleine (Schein-)Selbstständige und Geflüchtete – wir arbeiten im Handwerk, im Bildungs-, Erziehungs- und Sozialbereich, im Gesundheits- und Pflegewesen, in der Logistik, im IT-Bereich, im Einzel- und Großhandel. Oder wir werden eines Tages in diesen Bereichen arbeiten. Wir sind die, die heute oder in Zukunft all die schönen Sachen herstellen oder einräumen, die dann verkauft werden können. Wir sind es, die heute oder in Zukunft dafür sorgen, dass wir alle gesund sind, unsere Kinder aufziehen und uns um das ganze „Drumherum“ kümmern.

 

Gerade wird die Abwälzung der Corona-Krise und ihrer wirtschaftlichen Folgen vorbereitet und zum Teil bereits durchgeführt – auf unserem Rücken.

 

Auf dem Rücken der Arbeiter*innen:

Als „Dankeschön“ für die „systemrelevant“ Beschäftigten hat Arbeits- und Sozialminister Hubertus Heil eine Verordnung erlassen, die die Arbeitszeitregelung aufweicht, und damit den 12-Stunden-Arbeitstag vorerst bis Ende Juli befristet eingeführt. Aber wir wissen: das Kapital ist profithungrig und will schon lange den 8-Stunden-Tag zu unseren Lasten beseitigen. Unternehmen, die in der Vergangenheit hohe Profite eingefahren haben und noch immer Dividende ausschütten, werden nun durch staatliche Rettungsschirme geschützt. Die Kurzarbeit bietet den Unternehmer*innen enorme Vorteile, während das Kurzarbeitergeld den Arbeiter*innen hinten und vorne nicht zum Leben reicht. Obendrauf zahlt dieses Kurzarbeitergeld nicht der Betrieb, sondern die Bundesagentur für Arbeit: Die Weiterbeschäftigung wird also faktisch von den Lohnabhängigen selbst finanziert, aus den vorher von ihnen eingezahlten Beiträgen zur Arbeitslosenversicherung.

 

Wir fordern: 

– die Einführung des 4-Stunden-Arbeitstags bei vollem Lohn- und Personalausgleich. Zahlen muss das Kapital – in direkter Form oder indirekt über Steuern.

– 100% Lohnfortzahlung durch die Konzerne

– Mindestlohn rauf und Durchsetzung umfassender Tarifverträge statt weiterer Tarifflucht durch Unternehmen

– Die Wiedereinführung der Vermögenssteuer als Millionärssteuer als ersten Schritt

– längerfristig die Enteignung und Vergesellschaftung der Produktionsmittel

 

Auf dem Rücken der Frauen:

Als ob es selbstverständlich wäre, wird die unbezahlte Care-Arbeit den Frauen aufgebrummt. Wenn KiTas, Pflegeheime, etc. geschlossen werden, müssen Frauen noch mehr als zuvor unbezahlt arbeiten: sie erziehen und schulen die Kinder, pflegen die Alten und Kranken, kochen, putzen und managen die Familie durch die Krise. Zugleich steigt in der Quarantäne oder der Kurzarbeits-Zeit des Mannes die Gefahr von Männergewalt gegen Frauen und Kinder. Die Frauenhäuser sind übervoll, während Hotels leer stehen. Diejenigen Berufe, die die Gesellschaft gerade am Laufen halten und für unser tägliches Überleben sorgen, werden zu 80% von Frauen verrichtet. Das sind die schlecht entlohnten und wenig anerkannten Berufe, für die heute zwar geklatscht, aber immer noch nicht ordentlich gezahlt wird. Obendrauf sind gerade die tendenziell weiblichen Berufe die eher unsicheren: Erzieherinnen in der Notbetreuung haben keine Chance, den Abstand zu den Kindern einzuhalten. Im Einzelhandel ist kein Home Office möglich.

 

Wir fordern:

– Leerstand nutzen. Hotels in kommunale Hand und als Frauenhäuser nutzen

– Förderpaket für Frauenhäuser und feministische NGOs.

– Gleichstellung der Löhne zwischen Männern und Frauen.

– Care-Arbeit muss gerecht verteilt werden

 

Auf dem Rücken der Kinder und Schüler*innen:

Während Baumärkte wieder ihre Pforten öffnen und die Produktion nie konsequent runtergefahren wurde, wurden Spielplätze, Museen, KiTas geschlossen. Auch unsere Kindergruppen dürfen sich gerade nicht treffen. Dabei brauchen Kinder den Kontakt mit anderen Kindern und die Gruppendynamik unter ihnen, um sich wohl fühlen zu können und zu lernen. Die Schule wird in erster Linie vermisst, weil die Kinder am Pausenhof genau diesen Kontakt hatten. Stattdessen sollen sie nun im homeschooling allein lernen. Das ist ungerecht, denn die einen können sich abwechselnd mit beiden Elternteilen hinsetzen und sich durch moderne Technik unterstützt durch die Aufgaben quälen. Den anderen ist das Arbeiten unmöglich, weil sie kein eigenes Zimmer, keinen eigenen Computer oder keine Eltern haben, die ihnen bei den Aufgaben helfen können.

Eine Verschärfung der Bildungsungerechtigkeit und eine sich immer weiter öffnende soziale Schere werden damit billigend in Kauf genommen.

Die kaputtgesparte öffentliche Bildung ist nicht in der Lage, vernünftige Schutzmaßnahmen zu treffen. Dadurch ist die von der Politik angestrebte Schulöffnung um jeden Preis mit einen enormen körperlichen und psychischen Risiko für Schüler*innen, Eltern und Lehrer*innen verbunden.

 

Wir fordern: 

– konsequente Schließung des Schulbetriebs

– Öffnung von Kindergruppen in verantwortlicher und sicherer Weise

– sofortige Wiederöffnung der Spielplätze – außerdem Schaffung neuer, größerer Spielplätze, um Abstände einhalten zu können.

– Keine Schulprüfungen bis zum Ende der Pandemie

 

Auf dem Rücken der Jugend und kommender Generationen:

Wenn heute mit Geld für Unternehmen um sich geworfen wird, wird es morgen um so härter eingespart werden. Das heute für die Kapitalisten ausgegebene Geld wird sich der Staat von anderer Seite wiederholen, sodass es wieder heißen wird: Für Kultur, Kunst, ein ordentliches Gesundheitswesen, für Jugendarbeit und sanierungsbedürftigeSchultoiletten sei ja leider kein Geld da.


Wir fordern:

– spürbar bis massiver finanzieller Ausbau der freien, kommunalen und vor allem der verbandlichen Kinder- und Jugendarbeit

– Die Unterstützung von selbstverwalteten Jugend- und Kulturzentren, Jugendvereinen und Vereinsstätten, sowie Zeltplätzen, damit uns auch nach Corona mehr als die kommerzielle Kultur bleibt.

– Umnutzung der leerstehenden Schulgebäude als Beratungs- und Zufluchtsort für Kinder und Jugendliche, die es zu Hause nicht mehr aushalten.

Auf dem Rücken von Menschen mit Behinderung:

Noch immer müssen z.B. gehörlose Menschen barrierefreie Informationen über Pandemie und Maßnahmen einfordern,und das, obwohl es um Leben und Tod geht. Menschen müssen leben können wie sie wollen. „Sachzwänge“ führen dazu, dass Menschen in Einrichtungen leben müssen. In der Pandemie zeigt sich wie gefährlich die Konzentration vieler gefährdeter Menschen auf engem Raum ist. Obendrauf werden in der Pandemie ohnehin bereits isolierte Menschen noch stärker isoliert, sie werden vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen. Die Kapitalisten und Liberalen nehmen mittlerweile eine höhere Zahl an Toten in Kauf, um ihren wirtschaftlichen Schaden zu minimieren. Das fußt auf der Prämisse, dass sich die Fitteren durchsetzen und schwächere Glieder der Gesellschaft ihnen falls notwendig geopfert werden müssen. Ihre Vorstellungen von Gesellschaft tragen im Kern die Eugenik schon in sich. Diesen menschenverachtenden Vorstellungen müssen wir den Kampf ansagen!


Wir fordern:

– Barrierefreiheit in der Informationspolitik

– Dezentralisierung und Schaffung von Strukturen, die ein selbstbestimmtes Leben in der Gemeinschaft für alte und behinderte Menschen ermöglichen

– konsequente Berücksichtigung von Menschen mit Behinderung in öffentlichen Entscheidungen, ausgehend von der Selbstorganisierung ihrer Bewegungen

– konsequente Schutzmaßnahmen für Personal und Bewohner*innen von Heimeinrichtungen für Menschen mit Behinderung; es muss auch dort Handschuhe, Masken, etc. für Alle geben!

Auf dem Rücken der Geflüchteten und der Migrant*innen:

Die deutsche Agrarindustrie konnte durchsetzen, dass zehntausende Billig-Lohn-Erntehelfer*innen aus Rumänien eingeflogen wurden. Dem Kapital wurden die Grenzen für den Transport von Arbeitskräfte geöffnet. Zur gleichen Zeit sitzen Geflüchtete in den Lagern an den EU-Außengrenzen fest, wo sie unter menschenunwürdigen Bedingungen festhängen und an einem sicheren Leben gehindert werden. In den Gemeinschaftsunterkünften in Deutschland werden Menschen zusammengepfercht, ohne dass sie auch nur eine Chance hätten, Corona-Sicherheitsmaßnahmen zu treffen.

 

Wir fordern:

– sofortige Evakuierung der Lager an den EU-Außengrenzen. Über Rettung von Menschenleben darf nicht diskutiert werden. Wir haben Platz!

– Wiedereinführung des Grundrechts auf Asyl. Dublin II abschaffen.

– adäquate Kinderbetreuung in den Gemeinschaftsunterkünften für Geflüchtete zur Entlastung der Eltern/Mütter solange diese in Quarantäne sind

– Mindestens Mindestlohn für Erntehelfer*innen und andere migrantische Arbeiter*innen und die starke Kontrolle von Schutzmaßnahmen

– Konsequente Verfolgung und Bekämpfung von Menschenhandel, auch in Krisenzeiten!

Die aktuelle und die kommenden Krisen  sollten nicht unsere Krisen sein – lasst die Kapitalist*innen, die Bosse und die Manager*innen zahlen! Sie fahren stets die Profite ein, die wir erarbeiten. Wenn diese nun ausbleiben, darf das nicht unser Problem sein. Wir wehren uns dagegen, dass erneut die Verluste vergesellschaftet, aber die Gewinne privatisiert werden. Wir lehnen das nationale „Wir“ ab, das jetzt angeblich den Gürtel enger schnallen muss, um den Reichen das Ausbleiben ihrer Gewinne auszubügeln. Stattdessen wählen wir das „Wir“, das sich wehrt. Es ist die Krise der Kapitalist*innen, nicht unsere. Wir werden nicht zulassen, dass sie sie auf unserem Rücken abwälzen. Durch die Pandemie wird die schon länger heranziehende Weltwirtschaftskrise beschleunigt und verstärkt. Mögen die Kapitalist*innen so viel jammern wie sie wollen: für uns zeigt sich jetzt so deutlich wie nie, dass wir eine befreite Gesellschaft brauchen, welche sich nach unseren Bedürfnissen statt nach Profiten richtet!

 

Der 1. Mai ist der Kampftag der Arbeiter*innenklasse. Wir kämpfen für höhere Löhne, geringere Arbeitszeiten, (geschlechter-)gerechte Verteilung der Arbeit, Kinderrechte, Bildungsgerechtigkeit und eine klassenlose Gesellschaft, in der wir sicher, frei und solidarisch leben können.

Deshalb: Lasst euch nicht von der Corona-Lethargie und Einsamkeit einschüchtern oder lähmen. Am 1.Mai kann man viel machen, um seine Unzufriedenheit und Kritik an dem, was uns angetan wird, auszudrücken – ohne sich oder andere zu gefährden.

 

Wir schlagen euch folgende AKTIVITÄTEN für den 1.Mai vor:

    

   Aktivität 1: hängt Falkenfahnen oder rote Fahnen aus eurem Fenster, von euren Balkonen oder an euer Auto oder Fahrrad und zeigt, dass ihr Teil der sozialistischen Arbeiter*innen-Bewegung seid

 

   Aktivität 2: spielt Lieder ab – beschallt die Nachbarschaft aus euren Fenstern, von den Balkonen oder aus euren mobilen Boxen – dazu gibt es folgende spotify-Playlist, die ihr nutzen könnt: https://open.spotify.com/playlist/1Nn5ZMWU0hIsJ0GQSPBn5I?si=dLHqYF4BReis2tme8LeI1A

 

   Aktivität 3: singt Arbeiter*innenlieder, wir schlagen euch folgende vor: 

https://www2.wir-falken.de/uploads/gruppenbuch_end_10.pdf

https://www.marxists.org/subject/art/music/lyrics/de/die-einheitsfront.htm

https://www.anarchismus.at/kulturbewegung/liedtexte/5998-brot-und-rosen

http://www.kommunisten.ch/index.php?article_id=68

 

 Aktivität 4: Bastelt Papierflieger mit euren Forderungen, ihr könnt gerne welche aus den unseren von oben übernehmen und lasst sie in die Stadt fliegen

 

Aktivität 5: Bemalt eure Straße mit Straßenmalkreide, damit alle lesen können, was ihr wollt – aber passt auf Autos auf.

 

Aktivität 6: Malt große Banner und Transparente oder Plakate und hängt sie auf, in der Stadt, am Fenster oder im Kinderzimmer. Hier findet ihr Vorlagen zum Drucken: http://www.falken-nuernberg.de/?p=3033

 

Aktivität 7: checkt folgende Seiten für weitere Infos, was an dem Tag möglich ist.

    www.redside.tk

    https://www.facebook.com/events/243955100303885/

Aktivität 8: Filmt oder fotografiert, was ihr an dem Tag cooles macht, was ihr fordert und wofür oder wogegen ihr seid. Schickt es uns auf Facebook oder Instagram oder postet es selbst unter dem Hashtag #nichtaufunseremrücken.

 

Gebt Corona keine Chance! Achtet stets auf Abstand zu Anderen und tragt Mundschutz. Am Besten natürlich einen roten. 

Sozialistische Jugend Deutschlands – Die Falken in Nürnberg

 

 

Aufruf 1Mai

Solidaritäts-Zaun Nürnberg

+++++++++++SOLIDARITÄTS-ZAUN ++++++++++++++

Liebe Unterstützerinnen und Unterstützer unseres Soli-Zaunes:

Wieso wir die in Nürnberg eröffneten Solidaritäts-Zäune, an welchen sich Menschen, die unter Wohnungslosigkeit leiden oder anderweitig von Armut betroffen sind Essen mitnehmen können, immernoch als sehr sinnvoll erachten, haben wir ja bereits dargelegt

(https://www.facebook.com/falkennuernberg/posts/1315171031989178?__tn__=K-R)

Heute waren wir wieder- wie etwa alle zwei Tage- bei unserem Solidaritäts-Zaun im Celtispark. Unsere Schilder wurden leider entfernt, obwohl es mit der Stadt die Absprache gibt, dass die Zäune zunächst erhalten bleiben sollen. Wir haben deshalb Neue aufgehängt und sie mit unseren politischen Forderungen ergänzt. Einige Tüten wurden, wie jedes Mal, direkt in Anspruch genommen. Es kommt also alles da an, wo es ankommen soll.

Das Projekt kann jedoch nur aufrecht erhalten werden, wenn sich viele Menschen daran beteiligen!
Heute haben wir Menschen, welche über Foodsharing an Lebensmittel gekommen sind und diese in Tüten verpackt haben am Zaun getroffen. Das hat uns sehr gefreut- vielen Dank dafür!

Die Tüten gehen schneller weg, als wir für Nachschub sorgen können, deshalb brauchen wir eure Hilfe!
Ihr könnt gepackte Tüten an den Zaun hängen oder eine zweckgebundene Spende an die Falken Nürnberg überweisen:

Betreff: Spende Solidaritäts-Zaun
Kontodaten: SJD-Die Falken Nürnberg
Sparkasse Nürnberg
IBAN: DE10 7605 0101 0001 0565 72
BIC: SSKNDE77XXX

Von diesem Geld werden ausschließlich Lebensmittel und Hygieneartikel für den Zaun gekauft!

Vielen Dank schonmal im Voraus,
bleibt kämpferisch,
bleibt solidarisch!

P.S. Weitere Soli-Zäune in Nürnberg: St.Leonhard, Schweinau, Desi, Rosenau

„Fan-Post“ zu unseren Mitmach-Plakaten

 

Wir haben „Fan-Post“ von A. bekommen zu einem unserer Mitmach-Plakate
( http://www.falken-nuernberg.de/?p=3007 ). Wir wollen euch diese und unsere Antwort darauf nicht vorenthalten – es ist köstlich und erklärt vielleicht noch einmal genauer, warum wir die aktuelle Situation für unerträglich halten. Und warum Corona keinesfalls Alle gleich trifft!
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Hallo liebe Falken,

auf einem Briefkasten der Deutschen Post beim Fristo an der Ecke Gleißhammerstraße / Passauer Straße
hat jemand ein Plakat von euch, das ihr ja zum Ausdrucken auf eurer Internet-Seite anbietet, aufgehängt.

Da es offenbar von einem Kind oder in „kindlicher Sprache“ abgefasst worden ist, möchte ich dem „Kind“ mal in einfacher Sprache antworten:

Lieber …, liebe …,

der amerikanische Präsident, den kennst du ja sicher, er ist nicht bei allen Leuten so beliebt, aber er hat vor einiger Zeit schon etwas Wichtiges gesagt: fake-news, gesprochen „feik-njus“, das sind falsche Meldungen oder Nachrichten, die nicht richtig sind.
Schade ist nun, dass Du / Ihr, solche feik-njus auf dem Plakat an den Briefkasten geklebt habt.

Richtig ist, dass die Schulen, Museen und vieles mehr geschlossen haben. Dafür hab ihr jetzt quasi verlängerte Schulferien. Das Wetter ist auch schön. Zu eurer Mama und dass sie weiter arbeiten gehen muss, komme ich gleich.
Niemand muss bei dem schönen Wetter gerade im Zimmer bleiben und sich langweilen. Außerdem (feik-njus) glaube ich euch nicht ganz, denn wenn ihr ehrlich seid, freut ihr euch doch darüber, dass ihr seeehr lange schlafen dürft, Fernsehen könnt, mit dem Handy chatten und so weiter. Viele Kinder und Jugendlichen wollen ja gar nicht rausgehen.
Aber ich lese ja, ihr „müsst“ meistens im Kinderzimmer bleiben, das ihr euch mit euren Geschwistern teilen müsst. Ja, das haben eure Eltern ja mal so beschlossen, ein Einzelzimmer wäre ja auch ein gewisser Luxus.
Warum geht ihr mit euerem älteren Bruder, oder Schwester, nicht draußen spazieren, oder im Garten, wenn ihr einen habt? Und wenn eure Mama nach Hause kommt, wäre doch auch Gelegenheit dazu?
Wenn ihr ehrlich seid, dann ist es doch in den „normalen“ Ferien auch nicht anders, oder?

Zu eurer Mama:
Würde die Mama jetzt nicht arbeiten gehen, dann würde sie kein Geld verdienen. Euer Papa, wenn er bei euch lebt, ja auch nicht. Und jetzt eine einfache Frage: was würdet ihr sagen, wenn ihr dann zum Frühstück nicht euer gewohntes Glas Milch hättet oder Müsli essen könntet, weil das Geld nicht da wäre um es einzukaufen?
Weitere Frage:
Es sind von der Regierung einige Schutzmaßnahmen bekanntgegeben worden, mit denen man sich vor einer Ansteckung – auch in der Arbeit – schützen kann. Mundschutz, so wie ihn der Doktor aufhat, oder jetzt auch die Krankenschwester, Hände waschen, desinfizierern nennt man das und vieles mehr, Abstand zu anderen Menschen einhalten, in ein Taschentuch niesen oder husten, ja das könnt auch ihr schon, das ist kinderleicht.
Was denkt ihr, wenn alle Menschen auf der Welt zuhause beiben müssten, also der Lkw-Fahrer, der das nun schon berühmte Klopapier zum Supermarkt bringt (ja da müsst auch ihr lachen), die ganzen Lebensmittel, wenn die Kassiererin zuhause bleiben würde, die Polizei, die Krankenschwestern im Krankenhaus, die Ärzte, und jetzt auch eure Mama? Was würde dann passieren? Gar nix. Und das ist es. Wovon wollt ihr dann leben?
Es gab mal einen berühmten Mann, der hieß Rüdiger Nehberg, und ist leider vor kurzem verstorben, aber gottseidank nicht an Corona. Der hat sich selbst einiges beigebracht: in den Wald gehen, ganz ohne Gepäck oder Ausrüstung, der hat sich dann von Regenwürmern und anderen Insekten ernährt, die er gerade so gefunden hat. Würde euch das schmecken? Wollt ihr das auch? Ich glaube nicht.

Also, was will ich euch damit sagen: „feik-njus“, fake news, also falsche Nachrichten, sind nix für Plakate in dieser Zeit. Die Angst eurer Mama, sich anzustecken ist gut. Sie wird also alles tun, dass sie sich nicht in der Arbeit anstecken wird. Dazu gehört natürlich auch, dass alle anderen Menschen, die sich krank fühlen, zu Hause bleiben und andere nicht anstecken.
Im Übrigen ist Corona für euch Kinder oder Jugendliche nicht so schlimm, wie es für ältere Menschen oder Opas / Omas ausgehen kann, nämlich dass sie daran versterben. Das passiert bei einer „normalen“ Grippe nämlich auch.
Es gibt schon Experten, Virologen, die sagen, es wäre sogar gut, wenn ihr zur Schule gehen würdet, dann könntet ihr euch und – wie zum Beispiel bei den Windpocken – die Krankheit einmal bekomen.
Ihr würdet wieder gesund und hättet es überstanden.
Also müsst ihr nicht mal davor Angst haben, dass eure Mama sich ansteckt und dann euch zu Hause auch.
Das ist nicht schlimm, selbst wenn das passieren sollte.
Schlimm wäre, wenn ihr das Virus bekommen solltet, und dann zum Opa oder der Oma gehen würdet.
Wenn die dann sterben würden, das wäre wirklich sehr schlimm. Das versteht ihr doch, oder?

Also bitte, hängt keine falschen Nachrichten aus, auf euren Plakaten: in Nürnberg am Hauptmarkt haben nämlich die Eisdielen geöffnet, da gibts leckeres Eis, und man darf auch spazieren gehen oder joggen, Sport an der frischen Luft ist gesund, wie auch Fahrrad fahren.
Die Eisdielen haben nämlich nicht zu. Und das ist, was mich eigentlich ärgert, denn weil ihr nicht aus eurem Zimmer rausgeht, auch wenn ihr gerade nicht dürft, dann zumindest jetzt an den Ostertagen, mit Mama und Papa, dann beobachtet mal eure Umwelt. Schaut einfach „was abgeht“. Das kann man leider nicht am Schreibtisch oder in den sozialen Medien wie WhatsApp, facebook, instagram und wie sie alle heissen.
Die werden nämlich von Stubenhockern befüllt, die den Bezug zur Wirklichkeit verlieren oder schon längst verloren haben.
Leute, die Welt ist da draußen, nicht drinnen. Und nicht im Internet. Und: „die Wahrheit ist da draußen, irgendwo“.
Ein tolles Spiel ist doch, diese Wahrheit zu suchen und zu finden?

Also glaubt nicht, was euch größere Kinder für einen Mist erzählen, sondern geht nach Draußen und seht selbst, wie schön auch jetzt gerade unsere Welt ist. Und immer schön Abstand halten zu anderen Menschen, die nicht mit euch zuhause leben, auch zu Freunden.
Man kann sich ja mal zufällig draußen begegnen, welch ein Zufall. Und dann darf man auch ein stück miteinander gehen, 2 m Abstand vorausgesetzt. Und miteinander reden. Dafür haben wir eine Stimme und nicht nur die Finger an der Hand, zum Tippen am Computer oder ins Handy. Welch ein Wunder. Oder?

Ich wünsche euche schöne Ostertage
und bleiben wir alle gesund !!!

Euer A.

Über eine Rückantwort würde ich mich übrigens auch freuen.

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Unsere Antwort:

Hallo A.,

du hast mir einen sehr langen Brief geschrieben. Ich kann zum Glück schon lesen, weil Mama ist nach der Arbeit oft so erschöpft, dass sie es gar nicht mehr schafft mir vorzulesen. Mama arbeitet im Kaufland. Du hast irgendwas davon geschrieben, dass ein Einzelzimmer ein Luxus wäre und dass meine Eltern sich das so ausgesucht haben, dass ich mir das Zimmer mit meinen Geschwistern teilen muss. Das finde ich komisch, dass du das sagst, weil Mama hat mir schon so oft nach der Arbeit erzählt, wie gerne sie uns allen ein einzelnes Zimmer geben würde. Aber das Geld reicht hinten und vorne nicht für eine teuerere Miete. Das kannst du dir nicht vorstellen? Du scheinst aber ganz viel Glück gehabt zu haben in deinem Leben, Alex. Andere haben dieses Glück nicht, vergiss das nicht und denke nicht, dass du deshalb irgendwie richtiger liegen würdest, ok? Jedenfalls reicht bei uns das Geld nicht und drum teile ich mir das Zimmer mit meinen Geschwistern.
Du sagst, wir wollen nicht rausgehen? Ich muss dir sagen – du hast keine Ahnung, wie unser Leben aussieht! Vielleicht liegt das auch wieder an deinem Glück. Es geht nicht darum, ob wir raus wollen, sondern wir müssen rausgehen – sonst würden wir, also meine Geschwister, meine Mama und ich – uns gegenseitig abmurksen irgendwann, weil es einfach viel zu eng ist. Deshalb sind wir normalerweise auch so oft wie möglich draußen unterwegs. Im Viertel eben. Jetzt sagst du, dass wir ja garnicht drinnen bleiben müssen. Das stimmt schon. Aber ich sag dir mal was: es hat sich hier bei uns schon sehr viel geändert seit Corona und der Ausgangssperre. Auf die Spielplätze dürfen wir nicht mehr. Du schreibst von nem eigenen Garten? Ja, das ist ein schöner Traum. Wir haben nichtmal nen Balkon…Kannst du dir nicht vostellen? Hast du wieder einmal Glück gehabt. Du und dein Glück immer…klar.
Wir gehen auch spazieren. Das ist aber halt schon ein wenig langweilig und alleine dürfen wir noch nicht so weit raus fahren in den Wald. Mama ist aber eben meistens arbeiten und wenn sie frei hat, dann ist sie auch voll erschöpft oft. Wusstest du übrigens, dass sie vielleicht bald 12 statt 8 Stunden arbeiten muss? Die Regierung hat so ein Gesetz gemacht. Dass einen das völlig fertig und erschöpft macht und man nur noch schlafen will kannst du dir nicht vorstellen? Haste mal wieder Glück gehabt.
Und das verstehe ich eben nicht – klar man muss vorsichtig sein, damit keiner sich ansteckt. Aber warum soll es gerecht sein, das der Spielplatz jetzt geschlossen ist, aber ganz viele Arbeiten nicht? Da stecken sich doch die Leute auch an. Wenn man was gegen das Virus machen will, muss man das doch richtig runterfahren. Klar: Die Feuerwehr und die Pflegerinnen braucht es auf jeden Fall noch – aber auch die sollen nicht zu lange arbeiten müssen. Meine Mama macht eine wichtige Arbeit, das stimmt. Wieso kriegt sie dann nicht so viel Geld, dass wir uns mehrere Kinderzimmer leisten können? Wieso kriegt sie kein Schutzausrüstung? Ich hab gehört, dass in Regensburg ein Werk von Continental ist. Die machen Reifen glaube ich. Total unwichtig also – wer braucht denn jetzt Reifen, es gibt ja genug Autos, das man durch die Krise kommt. Die Arbeiterinnen in dem Werk haben alle Schutzausrüstung. Das ist an sich super, damit die sicherer sind. Aber wieso können die nicht einfach zuhause bleiben und weiter das volle Geld kriegen und die Schutzausrüstung kriegt zum Beispiel meine Mama. Das wäre doch besser oder?
Mama hat genauso wie ich Angst, dass sie sich ansteckt bei den Kunden, weil es kaum Schutz für sie gibt und die 1,5 m Sicherheitsabstand sind wirklich eher ein Witz. Ganz oft müssen die sich ja aneinander vorbeidrücken. Mama hatte schon öfter Schwierigkeiten mit der Lunge. Deshalb hab ich ja solche Angst. Nicht um mich, sondern um sie. Mama hat schon oft gesagt: Wenn sie nur Geld wegsparen hätte können, würde sie sofort kündigen, damit sie mit uns zu hause bleiben könnte. Aber das geht nicht, weil keins da ist. Das kannst du dir nicht vorstellen? A., du verdammter Glückspilz, wo nimmst du nur immer dieses Glück her….

A., ich glaube vor lauter Glück, dass du scheinbar in deinem Leben hattest, hast du ganz vergessen, dass gar nicht genug Glück für alle da ist und das purer Zufall ist, dass du nicht im Elend lebst. Und dabei hast du vielleicht auch deine ganze Kreativität verloren. Du hast ganz vergessen, dass das Leben auch ganz anders, viel besser sein könnte. Wenn ich dir sage, dass es besser wäre, wenn Mama nicht arbeiten geht, sagst du: dann hast du kein Frühstück mehr – wie unkreativ…die Welt könnte doch auch so sein, dass man Essen nur kriegt, wenn man nicht das Geld dazu hat, oder? Damit wäre dann auch der Beruf von meiner Mama sicherer: Sie müsste nicht mit den Kunden reden – es würde zum Beispiel reichen, wenn sie die Regale einräumt.
Es könnte doch auch anders sein: sie könnte statt 8 oder vielleicht bald 12, ja auch 4 Stunden am Tag arbeiten und sich die Arbeit mit den vielen Arbeitslosen teilen. Das wäre für beide gut. Und dann wäre sie auch nicht so erschöpft und könnte mit uns spazieren gehen. Das wäre für uns gut.

Du hast irgendwas von fake-news geschrieben. Kein Plan, was das für Quatsch sein sollte, aber ich will dir auch ein paar Tipps geben: Denke nicht immer, dass du alles richtig machst und richtig weißt, nur weil du in deinem Leben Glück hattest und nicht ganz unten stehst – ist ja schön für dich, aber halt nur Zufall und nicht das Ergebnis von Anstrengung, Leistung, oder sonstwas…weil du nicht ganz unten bist, müssen andere – zum Beispiel wir – ganz unten sein. Das ist nicht deine Schuld, sondern die Schuld von dieser Gesellschaft. Die ist eben so eingerichtet, dass immer ein paar wenige gewinnen und die meisten verlieren – die einen mehr, die anderen weniger. Du sagst, es wäre ein tolles Spiel, die Wahrheit zu finden….klingt langweilig. Ich schlag dir ein tolleres Spiel vor: die Gesellschaft der Konkurrenz und des gegenseitigen Ausstechens abschaffen und dafür eine Gesellschaft errichten, die wirklich solidarisch, gleichberechtigt und sicher für Alle ist. In meiner Falkengruppe nennen wir das übrigens Sozialismus.

Freundschaft! Deine Uli